Barsaive - Der Aufbruch: Die Vorgeschichte

Es begann alles in der Zeit, als die Plage voraus gesagt wurde, in welcher die Dämonen über Barsaive herfallen würden, um alles Leben auszulöschen. Die Bevölkerung Barsaives geriet in Panik, als die schreckliche Nachricht Kunde über das Land machte. So schlossen sich Menschen, Elfen, Trolle, Orks, Windlinge, T´skrang, Obsidianer und Zwerge zusammen, um die gewaltigen Kaers und Zitadellen zu bauen. In Windeseile entstanden die unterirdischen Gebäude, denn die Angst, dass die Dämonen bald hereinbrechen würden, trieb sie an. Mächtige Zauberer taten sich zusammen, um eine mächtige Magie zu entwickeln, die die Dämonen von den Gebäuden fernhalten sollte. So verstreuten sich immer mehr Kaers und Zitadellen über das Land. Jedoch war die Zeit der Plage nicht mehr fern und als sie hereinbrach, schafften es einige Gruppen nicht mehr rechtzeitig die Tore zu den Kaers zu verschliessen. Die anderen, die mehr Glück hatten, zitterten vor der Macht die draußen tobte. Doch mit den Jahren schwand die Angst. Manche verfielen den Größenwahn und hielten es nicht mehr aus, ständig unter der Erde zu leben. Sie schlichen sich davon, um das Tor zu öffnen. Doch dies war ein Fehler, denn das Grauen tobte noch über viele Jahrhunderte hinaus.

Es vergingen Jahre um Jahre, die Bevölkerung, die sich eingeschlossen hatte, existierte schon lange nicht mehr. Generationen vergingen und so auch die Zeit im Kaer. Selbst die Alten und Weisen, die im Kaer lebten, kannten die Geschichten nur noch aus Erzählungen. Keiner konnte sich vorstellen, wie eine Sonne aussah, oder was ein Himmel mit Wolken sein könnte. Sie kannten nur die ewig schimmernden Lichtquarze aus ihrer unterirdischen Behausung.
So lebten sie weiter vor sich hin, während langsam die Plage auf ihr Ende zuging.

Doch diese Zeit der Plage hatte ihre Nebenwirkungen. Eines Tages vermischten sich die Rassen und neue wurden geboren. Es kamen immer wieder andere hinzu, so dass man auch bis heute noch nicht weiß, welche Vielfalt sich entwickelt hat. Allerdings hatte dies auch weitgreifendere Folgen. Durch die plötzliche Vermehrung über die Jahre, wurde es langsam eng in den Kaers und Zitadellen. Es machte sich langsam wieder Panik breit, denn niemand wollte so recht glauben, dass die Plage zu Ende war. Doch dadurch, dass es immer mehr Platzmangel gab, herrschten auch bald Gewalt und Revolution in den unterirdischen Höhlen. Die eine Hälfte wollte endlich das Kaer öffnen, die andere kämpfte erbittert darum, sie geschlossen zu halten. Mann zählte schon fünfhundert Jahre und als die Situation immer unerträglicher wurde, beschloss man eines Tages doch, die Tore zu öffnen.
Das erste Kaer von dem man wusste, öffnete die Tore fünfhundertundein Jahr, nach deren Schließung. Ein Bild der Verwüstung und Zerstörung eröffnete sich unter den ersten Bewohnern. Der Himmel war grau und die Erde dunkelbraun und schwarz zerfurcht. Kein Leben zeigte sich mehr in dieser Welt. Nicht ein Hälmchen Grün zeigte sich unter den Blicken. Die Enttäuschung war groß, denn sie hatten gehofft eine andere Welt vorzufinden, anstatt dieser Einöde. Doch die Dämonen waren fort und so gingen langsam Kundschafter aus, um diesen ausgedörrten Fleck zu erkunden. Dabei stießen sie weiter auf andere Behausungen, dessen Tore sie öffneten und somit andere Bewohner aus ihrem „Gefängnis“ befreiten.
Die Leute wohnten zwar immer noch notgedrungen in den Kaers und Zitadellen, da sie sonst nicht wussten, wie sie in dieser Einöde überleben sollten. Als zwei Jahre später die Sonne wieder den Weg durch diesen dichten grauschwarzen Nebel fand, rissen die Leute ihre Quellen auf, um das Wasser wieder durch Barsaive fließen zu lassen. Langsam begannen wieder Bäume, Büsche und Gras zu wachsen und alle befreiten Bewohner Barsaives halfen wieder mit, dieses Land aufzubauen. Das Land erholte sich schnell und in ca. 20 Jahren war Barsaive fast wieder vollkommen hergestellt. Städte und Dörfer entstanden wieder, der Handel wurde aufgenommen und die Rassen bündelten sich langsam wieder zusammen. Obsidianer tauchten urplötzlich aus Bergen wieder auf, die neben den Windlingen und T'skrang die einzigen noch „reinen“ Rassen in Barsaive waren.

Doch auf den Erkundungstouren entdeckten sie auch den Blutwald, dass Königreich von Alachia. Sie sahen die Elfen, die durch die Plage eine schreckliche Erfahrung machen mussten. Um ihr Königreich zu schützen, mussten sie einen hohen Preis zahlen. Ihre Haut war von herauswachsenden Dornen überzogen und so lebten die Elfen in ewigen Schmerzen. Die Bevölkerung mied daher den Blutwald, weil die Blutelfen für sie nicht mehr ganz „rein“ waren und sie deren Königin Alachia für eine grausame Herrscherin hielten, wie berichtet wurde.

Doch ungefähr hundert Jahre später, als Barsaive wieder ein blühendes Land mit seinen eigenen Kulturen, Traditionen und Rassen wurde entdeckten Kundschafter ca. 2 Meilen nordwestlich von Märkteburg ein verstecktes Kaer. Die Gruppe wunderte sich über diesen Fund, da sie dachten, sie hätten in all den Jahren doch schon sämtliche Kaers geöffnet. Dieses Kaer sah allerdings unbeschädigt aus, und von daher gingen sie aus, dass doch noch ein paar verborgene Bewohner dort hausen könnten. Sie arbeiteten einige Wochen an den Toren, um diese zu öffnen. Als sie den Bannzauber endlich lösten, schlugen sie mit Spaten auf dass Tor ein, um dass festgewachsene Tor von den Pflanzen zu befreien.



Langsam wurde Vincent unruhig. Die Situation in dem Kaer wurde allmählich unerträglich. Der Platz wurde immer knapper und es sollten in ein paar Tagen wieder neue Bewohner dazukommen. Der alte Magier lebte nun schon 80 Jahre hier und sein halbes Leben davon war er schon Kaerhüter. Schon jetzt wurden die gegenseitigen Anfeindungen der Bewohner immer schlimmer und er fragte sich, was er denn tun sollte. Als Mensch würde er sowieso nicht mehr lange durchhalten, doch hatte er auch noch keinen passenden Nachfolger gefunden.
Falls es denn einen Nachfolger geben würde. Er konnte sich lebhaft vorstellen, was geschah, wenn er sterben würde. Das Chaos würde ausbrechen. Leider war er der einzige, der die Bewohner davon abhalten konnte, sich gegenseitig umzubringen. Aber dass nützte ihm nichts, er musste endlich eine Entscheidung treffen. Entweder ließ er die Bewohner weiter in diesem Kaer eingesperrt, was zu Folge hatte, dass wahrscheinlich niemand mehr übrig blieb, oder er ließ das Kaer öffnen. Allerdings hatte er große Angst davor. Wer konnte denn schon genau wissen, ob die Dämonen Barsaive wieder verlassen haben? Die meisten konnten doch nur darüber spekulieren, dass nach den fünfhundert Jahren wieder alles vorbei sein würde. Wissen konnte es niemand. Doch jetzt waren sie schon sechshundert Jahre hier. Egal wie sich Vincent den Kopf zermarterte, eines stand fest: Entweder blieben sie hier und starben, oder sie gingen hinaus und starben eventuell an den Dämonen. Wenn allerdings alles Gut werden würde, würden sie ein neues Land vorfinden. Eigentlich hatte er keine andere Wahl. Er musste dass Kaer öffnen.
Nach langer Überlegung, stützte sich Vincent schwer auf seinen Eichenholztisch. Nun musste er sich überlegen, wen er alles zu den Toren mitnehmen konnte, die genug Mut besaßen, dieses Unterfangen mitzumachen. Wenn sie dass Tor öffneten, und es würde draußen immer noch die Plage herrschen, konnte er nur hoffen, dass die Adepten, die er auserwählen würde, es schaffen, den Dämonen zurückzuhalten und dass Tor wieder zu schließen. Vincent grübelte und grübelte, doch es half alles nichts. Er würde zu seinen Auserwählten gehen, sie aufklären was er vor hatte und auch ihnen erklären, was sie zu tun hätten, wenn etwas schief laufen würde.
So kam es, dass Vincent mit seiner Gruppe loszog. Er hatte es geschafft seine Gruppe zusammenzubekommen, die er wollte. Darunter befanden sich drei Krieger, zwei Magier, drei Schützen und ein Schwertmeister. Die Bewohner zitterten an diesem Tag, den Vincent hatte es vorgesehen, die Bewohner auch über die Situation aufzuklären. So marschierten sie durch das Innentor, dessen Zauber Vincent löste. Dieses zweite Tor, würde ihre einzige Rettung sein, falls die Dämonen versuchten einzubrechen. Die Gruppe ging weiter zu dem Haupttor. Dort angekommen, mahnte Vincent sie noch vor den Auswirkungen und redete ihnen nochmals ein, was sie zu tun hätten. Er glaubte schließlich nicht daran, dass er diese Aktion überleben würde. Dazu war er einfach schon zu alt, und alle Magie der Welt würde ihn in diesem Moment nichts nützen. Als Vincent gerade vor dem riesigen Haupttor stand und gerade die Lösungsformel sprechen wollte, krachte es urplötzlich an dem Tor. Erschrocken fuhren alle ein Schritt zurück, unschlüssig darüber, was denn nun passiert sei. Es krachte ein zweites Mal, und es krachte ein drittes Mal. Beim dritten Mal fing das Kaer an zu zittern, und in der Ferne konnte man die Schreie der Bewohner hören. Kalter Schweiß trat auf Vincents Stirn und er bereitete sich schon auf einen Verteidigungszauber vor. Die anderen Adepten redeten wild durcheinander, waren sie doch davon überzeugt, dass nun alles aus wäre. Ein viertes Krachen war zu hören, ein fünftes, ein sechstes, ein siebtes… Plötzlich hörte das ohrenbetäubende Geräusch auf. Verwundert sahen sich die Adepten gegenseitig an und dann auf dass Tor. Was hatte das nur alles zu bedeuten?
Für ein paar Minuten war vollkommene Stille. Nur das leise Atmen der Gruppe war zu hören. Sie fassten alle ihre Waffen fester, bis die Knöchel schon weiß hervortraten. Die Spannung war langsam unerträglich. Vincent stand mit erhobenen Armen vorne Weg, bereit sofort einen Zauber auf den Eindringling loslassen zu können.
Plötzlich knarrte es, die Spannung in der Gruppe verstärkte sich. Ein weiteres Knarren war zu hören, so als ob Stein auf Stein scharrte. Die Leute sahen zu, wie der Spalt in der Mitte des Tores sich langsam auseinander zog. Das Knarren wurde lauter. Der Spalt öffnete sich weiter und es drang ein heller Schein hindurch. Ohne es zu bemerken, wich die Gruppe ein paar Schritte zurück. Nur Vincent stand immer noch unbeweglich an seinen Platz und starrte auf dass Tor. Ein letztes, lautes Scharren war zu hören und mit einem letzten Schwung knarrten die Torseiten donnernd an die Wände. Gleißendes Licht durchflutete den Raum, so dass die Adepten aufschreiend die Hand vor Augen hielten. Nur Vincent stand wie eine Statue immer noch da, außer dass er die Augen geschlossen hatte.
Als der Lichtschein hinter seinen Augen langsam verebbte, öffnete er langsam die Augen und konnte nicht glauben was er da sah. Eine Gruppe von mindestens 30 Mann stand vor ihm, etliche mit Spaten ausgerüstet, die überrascht auf ihn und die Adepten starrten. Vincent war nicht weniger überrascht und ließ verdutzt die Arme sinken.
„Wa..was…“ stotterte er nur noch. Hinter diesen Leuten, die die Tore aufgemacht hatten erstreckte sich ein strahlend blauer Himmel und weiße Wolken zogen vorbei. Die Sonne strahlte und Vincent traten von der Helligkeit Tränen in die Augen.
Schließlich teilte sich die Menge vor ihm und ein Mensch in guter Kleidung mit einem Umhang trat vor. Er stellte sich genau vor Vincent und keine Regung war in seinem markanten Gesicht zu sehen.
„Seid ihr der Kaerführer?“ fragte der Fremde laut und deutlich, so dass es bis in die letzten Ecken schallte.
„Ja…“ Gab Vincent schwach von sich, sein Verstand unfähig zu begreifen was vor sich ging.
Der Fremde Mensch nickte und zeigte auf den Ausgang.
„Gut, dann heiße ich euch hiermit herzlich in Barsaive willkommen.“

So war es nun, dass die Bewohner dieses Kaers endlich von ihrer langen Gefangenschaft befreit wurden. Für sie fing ein neues Leben an und ihre Kinder wurden zu den neuen Helden Barsaives.